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Lüderich: der Wald – Bedeutung für Klima, Forstwirtschaft und Naherholung

Der Wald am Lüderich – Bedeutung für Klima und Forstwirtschaft, Wiederaufforstung, Nutzung und Schonung im Zeichen von Klimawandel und coronabedingter Zunahme des Nahtourismus

Am 23.01.2021 trafen sich – auf Initiative unseres Vereins – 2 Vorstandsmitglieder mit Herrn Joachim von Lüninck am Lüderich. Herr Lüninck ist Waldbesitzer eines > 100 ha großen Teiles des Waldes am Berg Lüderich, der mit 260 m die höchste Erhebung der Stadt Rösrath darstellt.
Anlass waren die von Herrn Lüninck an mehreren Stellen am Berg Lüderich aufgestellten Schilder, auf denen er Hinweise zur Nutzung an Wanderer und Mountainbiker richtet (siehe weiter unten)!
Es ist unser Ansinnen, uns bezüglich dieser wichtigen Hinweise durch Aufklärung und Informationen mit einzubringen.

Nach einem gut 3-stündigen Vor-Ort-Termin fassen wir hier die wesentlichen Aspekte zusammen:

Infolge der Trockenheit der letzten Jahre und des dadurch begünstigten massiven Borkenkäferfraß und der fast vollständigen Rodung des gesamten Fichtenbestandes ist der Holzmarktpreis weit unten. Herr Lüninck musste ca. 40% seines Baumbestandes abholzen. Über 50 % des Fichtenholzes wird inzw. nach China exportiert. Was nicht für den Holzhandel geeignet ist, wird als Hackholz (HH) selbst verwendet.

Die Wiederaufforstung läuft „händisch“ durch Waldarbeiter aus dem südöstl. Europa mittels „Göttinger Fahrradlenker„, siehe auch folgendes Youtube-Video !
Gepflanzt werden als Alternative zur heinischen Fichte und Kiefer vor allem Douglasie, Küstentanne, Weißtanne und Schwarzmeerkiefer. Solche Neu-Anpflanzungen wurden uns vor Ort demonstriert und dabei wurde uns klar, wie schwierig es teilweise ist, die jungen Setzlinge (die mit nackten Wurzeln in den Waldboden kommen) überhaupt zu erkennen – im Durcheinander von Rodungsfläche und Unterholz. Das Setzen von Laubbäumen soll an den höher gelegenen Stellen im kommenden Frühjahr erfolgen.
Dabei decken sich die teils wohl recht akademisch anmutenden Vorstellungen im Waldbaukonzept NRW (Empfehlungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung) des Landesbetriebs Wald und Holz in NRW nicht unbedingt mit den praktischen Möglichkeiten vor Ort.
Gepflanzt wird in Reihe und Glied im Abstand von ca. 1,5 – 2 m – in Gruppen: mal nur Douglasie, mal nur Küstentanne… Etwa alle 30 m gibt es durch hohe Baumstümpfe gekennzeichnete Areale, in denen nicht gepflanzt wird, um Schneisen für die Rodungsfahrzeuge frei zu lassen.
Ein Problem bleibt der Schutz der Setzlinge vor dem Menschen – und vor dem Wild. Ein Setzling kostet incl. Pflanzung etwa 2 Euro, incl. mechanischem (Kunststoff-) Schutz noch einmal 4 Euro, was für viele Waldbesitzer kaum finanzierbar ist. Wiederaufforstung ist also eine sehr kostspielige Investition in die Zukunft. Erntereif sind die Nadelbäume erst nach ca. 80 Jahren. Die Nadelbäume, die jetzt neu gepflanzt wurden/werden, sind im Gegensatz zu den flachwurzelnden Fichten Herzwurzler und sollten mit Trockenheit und wärmeren Temperaturen besser zurechtkommen als die Fichten, sofern sie denn anwachsen. Der Frost der vergangenen Wochen könnte dies verhindern. Ob das Pflanzkonzept angesichts des Klimawandels aufgeht ist dennoch keineswegs sicher. Fördermittel sind noch nicht geflossen und auch noch nicht beantragt.

Blick vom Lüderich nach Westen. Die frischen Setzlinge sind erst nach genauem Hinschauen zu erkennen.

Die Setzlinge werden mit Hilfe des sogen. „Göttinger Fahrradlenker“ mit nackten Wurzeln in den Waldboden verbracht. (siehe im Text weiter oben!)

Herr Lüninck demonstriert vom Wild frisch angeknabberte Setzlinge

Die frisch eingesetzten jungen Nadelhölzer befinden sich ziemlich dicht an den Wegen, die auch von Mountainbikern genutzt werden.

Durch die Überhandnahme von Rotwild, überwiegend aus dem Bereich der Wahner Heide, das (u.a. über die Wildbrücke an der A3) in den letzten Jahren zunehmend in die Bereiche vom Königsforst und von dort in den Bereich des Lüderich drängte, sind die Setzlinge extrem gefährdet. Dahin gehend unterscheiden sich auch die Interessen der Jäger und Waldbesitzer! Während der erste nur sehr ausgewählt abschießt, und damit den Bestand nicht hinreichend verkleinert, hat der Waldbesitzer eher Interesse an einer deutlichen Verminderung des Bestands. Schlagworte wie „Wald vor Wild“ oder „Wild vor Wald“ kennzeichnen das. Offensichtlich ist der Schaden für den Wald durchs Wild unvergleichbar größer als der potenzielle Schaden durch Moutainbiker, die in den Augen der Jäger das Wild vertreiben. Dies wiederum sehen die Waldbesitzer keineswegs so – zumindest ist der nachteilige Effekt wohl vernachlässigbar.

Die Waldbenutzer (Spaziergänger, Wanderer, MTBler) wissen meist viel zu wenig über den Wald, seinen Zweck, seine Nutzung, und seine Wiederaufforstung! Der Lüderich ist – anders als große Teile der Wahner Heide oder der Königsforst – nicht Naturschutz- sondern „nur“ Landschaftsschutzgebiet. Daher steht die Nutzung im Sinne der Forstwirtschaft im Vordergrund. Durch den Klimawandel wird diese Nutzung immer risikoreicher und wahrscheinlich auch unrentabler.

Herr Lüninck hatte in schriftlichen Aufrufen an die Waldbenutzer – vor allem auch an die Mountainbiker – mit Hinweisschildern an den entsprechenden Stellen im Wald wiederholt darauf hingewiesen, die „Querfeldein-Trails“ zu meiden (die teilweise mit Brettern abgesperrt wurden) und die ausgewiesenen Wanderwege zu nutzen.

siehe folgende pdf-Dateien:

Waldumbau zu klimastabilen Wäldern

KlimastabilerWaldumbau_Flugblatt

Die wenigen, seit vielen Jahren auch in den online-maps eingetragenen, mit dünner schwarzer Linie gekennzeichneten Wanderpfade sollen allerdings bestehen bleiben. Korrekturen in open-street-map (das auch als Grundlage für die Radsoftware „Komoot“ dient) müssen im Eigentumsbereich der Waldbesitzer immer wieder vorgenommen werden, damit neu eingetragene (illegale) Pfade sich nicht weiter etablieren.

Wir möchten als Verein alle Bemühungen unterstützen, die dabei helfen können, die laufenden Wiederaufforstungsarbeiten nicht zu gefährden, indem wir helfen, über diese Arbeit sachlich und zu informieren und auf den erforderlichen Schutz hinzuweisen!

Dazu gehört insbesondere:
Auf den ausgewiesenen Wanderwegen bleiben – das gilt für Wanderer ebenso wie für Radfahrer!
Mountainbiker sollten keine neuen trails bilden und vorhandene trails abseits der ausgewiesenen Wege nicht mehr nutzen!
Keinen Müll zurücklassen!

Rücksicht wird nach unserer Einschätzung nur dann hinreichend geübt, wenn verstanden wird, welche Maßnahmen der Wiederaufforstung genau erfolgen und wie man dies mglw. vor Ort erkennt.
Unsere Idee: Wir stellen uns vor, am Hochpunkt – also am östlichen Rand des obersten Weges westlich vom Hochbehälter – einen Stein/Findling aufzustellen (aufstellen zu lassen), auf dem der Hochpunkt am Lüderich als solcher markiert wird, verbunden mit einem Info-Hinweis u./o. Infotafel. Um einen solchen Hinweis nicht zu groß werden zu lassen, könnte beispielsweise über das Smartphone mithilfe eines selbst generierten QR-Codes auf eine entsprechende Datei unserer Homepage hingeleitet werden, um nähere Informationen und Bilder abzurufen.

Zum Konflikt zwischen Mountainbiken und Naturschutz
aus dem Interview mit Georg Kestel, BUND Naturschutz
Frage: Hauptsache nicht querfeldein, sozusagen?
Antwort Herr Kestel (BUND) : Ja, so kann man das sagen. Es gibt so einzelne Freigeister, die glauben, sie bewegen sich als Einzelpersonen ganz vorsichtig abseits der Wege; die richten mehr Schaden an als eine Gruppe Biker oder Wanderer, die auf dem ganz normalen Weg unterwegs sind.
siehe auch
https://www.waldsportbewegt.de/